Olympiavorschau Tag 5: Europas Goldener Tag?
Eine der Gewichtsklassen in der Europa eine Goldmedaille erwartet ist -90 kg. Es ist aber nicht leicht für Ilias Iliadis mit dem hohen Druck umzugehen. Er ist amtierender Weltmeister und der Olympiasieger von 2004, einer anderen Ära, einer anderen Gewichtsklasse. Die Olympischen Spiele werden enorm hart umkämpft sein mit Kalibern wie Masashi Nishiyama aus Japan, Dilshod Choriev aus Usbekistan oder Tiago Camilo aus Brasilien. Doch sollte nicht Iliadis nach Gold greifen, könnten dies weitere Europäer an seiner Stelle tun.Wer wird der beste Judoka am 1. August in Londons ExCel sein?
Der 25jährige Iliadis holte 2004 bei den Olympischen Spielen mit dem Heimpublikum im Rücken Gold und ist der Weltmeister von 2010 und 2011. Der in Georgien geborene Judoka führt zur Zeit die Weltrangliste an, unterlag aber bei der EM im April überraschend dem Deutschen Christophe Lambert im Achtelfinale. Iliadis möchte vor allem nach seiner schlechten Vorstellung bei den Olympischen Spielen in Peking, als er schon in der Vorrunde scheiterte, nun in London hoch hinaus.
Iliadis kennt die Stärken des 23jährigen Georgiers Varlam Liparteliani, der voller Selbstvertrauen nach seinem Europameistertitel in Chelyabinsk in London an den Start geht. Bei der WM 2011 enttäuschte er jedoch und schied vorzeitig aus. Der Georgier schlug den Griechen zwei Mal in den letzten vier Duellen. Liparteliani gewann 19 seiner letzten 22 Kämpfe und ist in London als Nummer vier gesetzt wo er auf den Kubaner Asley Gonzalez treffen wird.
Masashi Nishiyama (JPN), 27, ist noch bei keiner WM angetreten, kämpfte sich aber an Position drei der Weltrangliste in dem er drei große Turnier gewann. Er besiegte Iliadis Anfang des Jahres und Nishiyamas letzte Niederlage bei einem internationalen Turnier ist mit Februar 2011 datiert.
Ein weiterer Europäer, der um Gold mitreden kann, ist der 24jährige Russe Kirill Denisov. Er schaffte es 2009 und 2010 aufs Siegespodest der Weltmeisterschaften und wurde letztes Jahr in Paris Fünfter. Denisov ist definitiv erfahren genug um die Besten der Welt schlagen zu können, ist aber im gleichen Pool wie Iliadis.
Roman Gontyuk (UKR), 28, weiß wie es ist bei Olympischen Spielen abzusahnen. 2004 holte er Silber, 2008 Bronze, beide Medaillen -81 kg. Seitdem er im Herbst 2008 eine Gewichtsklasse höher kämpft, hat er noch kein bedeutendes Turnier gewinnen können. Doch wer weiß, vielleicht schafft er es in London erneut um zur rechten Zeit extrem aufzutrumpfen.
Elkhan Mammadov holte den Großteil seiner Punkte zu Hause in Baku wo er im Vorjahr sowohl den Grand Prix als auch die Masters gewann und auch Iliadis zwei Mal besiegte. Seine Ergebnisliste weist relativ viele fünfte Plätze auch, doch bleibt seine Leistung immer konstant und er schrammt nur knapp an den Medaillen vorbei. Er ist der Älteste der acht Gesetzten und wird auf Nishiyama treffen.
Weitere Europäer, die sich qualifizert haben, sind Christophe Lambert, der bei der EM spektakuläres Judo zeigte. Roberto Meloni ist erfahren, wird aber wahrscheinlich nicht mit den Allerbesten mithalten können. Marcus Nyman, der junge Schwede, könnte überraschen. Er kann auf Grand Prix Ebene gewinnen, besiegte Liparteliani zwei Mal und hat auf jeden Fall genug Selbstvertrauen für London.
Iliadis ist Europas Superstar und es wäre fantastisch könnte er alle Erwartungen erfüllen.
Frauen -70 kg
Wie bereits erwähnt wird Tag 5 aus Europäischer Sicht sehr aufregend und vielleicht auch der erfolgreichste werden. Nicht nur bei den Männern stehen die Chancen auf Gold gut, sondern auch bei den Frauen.
Die Französin Lucie Decosse dominierte die Olympiaqualifikation mit drei Triumphen bei den Grand Slams in Paris. Nur dieses Jahr musste sie sich Haruki Tachimoto (JPN) geschlagen geben. Eine starke Europäische Konkurrentin hat Decosse in der Niederländerin Edith Bosch. Sie standen sich bisher jedoch nicht allzu oft gegenüber, lediglich im Finale der Weltmeisterschaften, und da siegte die Französin. Bosch dominiert bei den Turnieren, bei denen Decosse nicht antritt und umgekehrt. Die große Niederländerin hat bereit zwei Olympische Medaillen. Decosse holte 2008 Silber, damals aber noch -63 kg. Nun ist sie die große Favoritin und zeigte bei der WM in Paris, dass sie mit dieser Rolle perfekt umgehen kann.
Europa hat sehr gute Rahmenbedingungen geschaffen um Weltspitze zu werden. Seit 2005 kamen alle Weltmeisterinnen – mit Ausnahme von 2009 als die Kolumbianerin Yuri Alvear überraschend gewann – aus Europa. Alevar ist in London auch mit dabei, allerdings mit eher geringen Medaillenchancen. Weitaus bessere Chancen haben da Europäerinnen wie die Slowenin Rasa Sraka (als 4. gesetzt) oder die Ungarin Anett Meszaros. Bestimmt schön für die Zuschauer, eher weniger gut aus Europäischer Sicht, die Tatsache, dass Meszaros im selben Pool wie Bosch landet.
Tachimoto könnte auf die Chinesin Fei Chen treffen, eine der jüngsten Judoka mit gerade einmal 21 Jahren. Typisch ist für diese Kategorie, dass die Europäerinnen zu den Ältesten zählen: Blanco, Sraka, Bosch und Decosse sind alle über 30.
Katarzyna Klys (POL) überzeugte durch ihre tolle Leistung bei der EM wo erst im Finale gegen Bosch Endstation war. Cecilia Blanco (ESP) schrammt immer knapp am Siegespodest vorbei. Vielleicht schafft sie es in London die Rivalinnen Anderer zu eliminieren, konnte sie doch bereits die Doppelasienmeisterin Ye-Sul Hwang (KOR) sowie Maria Portela (BRA), zwei sehr gefährliche Außenseiterinnen, bezwingen.
Seien Sie bei dem Spektakel am 1. August dabei; der Europäertag.

